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Kommunale und kirchliche Friedhofsträger haben jährlich auf rund 32 000 Friedhöfen etwa 860.000 Bestattungen im Jahr zu schultern. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird die Sterberate in den nächsten Jahren von 1,05 % auf 1,3 % steigen. Auch auf ca. 70 % der bayerischen Friedhöfe herrschen Bedingungen, die einen normalen Verwesungsprozess verhindern. Wenn in manch anderen Bundesländern die Kremationsrate schon bei ca. 80-90 % liegt, so wollen in Bayern doch noch viele Bürger an der traditionellen Sargbestattung festhalten.

„Ein Volk wird danach beurteilt, wie es seine Toten bestattet“, soll der griechische Staatsmann Perikles gemahnt haben und nicht gelöste Probleme auf dem Friedhof bergen die Gefahr in sich, eine in Bayern noch vorhandene Bestattungskultur durch eine Entsorgungsmentalität zu ersetzen. Nicht jeder möchte halt anonym in einer Wiese oder unter einem Baum bestattet werden.

Ein gravierendes Problem zeigt sich zunehmend in der unbefriedigenden Wirtschaftlichkeit der Friedhöfe. Das Friedhofsgebührenvolumen liegt z. Zt. bei 2,5 Mrd. Euro / Jahr bei gleichzeitiger Bezuschussung aus den kommunalen Haushalten wegen Unterdeckung von rund 1 Mrd. Euro / Jahr.

Die zunehmenden „modernen“ Grabarten in Verbindung mit der weiter steigenden Kremationsrate, verbessern nicht unbedingt die Wirtschaftlichkeit unserer Friedhofsanlagen.

Der Fleckerlteppich wird größer und teurer

Weitere negative Einflussfaktoren sind externer und interkommunaler Wettbewerb. Was folgt sind dadurch bedingte Schnellschüsse bei Einzelinvestitionen ohne eine grundlegende Analyse und ein Entwicklungs- und Betreibungskonzept für die jeweilige Friedhofsanlage mit ihren jeweiligen Grabarten.

Jedes Jahr wird der Fleckerlteppich durch aufgelassene Erdgräber immer größer, die Überhangflächen nehmen weiter zu, müssen intensiv gepflegt werden, die Gebühreneinahmen sind rückläufig, nicht nur durch weniger Gräber, sondern auch durch fehlerhafte Gebührenkalkulationen.

Veränderungen in der Bestattungskultur

Erfreulicherweise lässt sich eine verstärkte Nachfrage an Erstberatungen und Informationen rund um den Friedhof feststellen. Immer mehr Kommunen, aber auch kirchliche Institutionen beschäftigen sich mit den Entwicklungen im Bereich Friedhof. Daher ist es erforderlich, die Veränderungen in der Bestattungskultur und die gesellschaftlichen Einflüsse im Friedhofswesen rechtzeitig zu erkennen, sie auf Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit in den eigenen Friedhofsanlagen zu überprüfen und dann als bedarfsorientierte Angebote der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen.

Die Bürger sollen wählen können

Oberstes Ziel eines Friedhofskonzeptes sollte es sein, für alle angebotenen Grabarten möglichst gleiche Rahmenbedingungen zu schaffen, damit der Bürger objektiv seine Bestattungsart wählen kann und nicht in eine bestimmte Bestattungsart getrieben wird. Viel zu oft wird er beeinflusst von den Kriterien Pflegefreiheit, geringere Kosten und kürzere Ruhezeiten.

Über diese Faktoren werden die meisten Entscheidungen definiert und gerade hier setzen die Friedhofsträger – oft unbeabsichtigt – selbst die Trends, die sie mittel- und langfristig in die Unwirtschaftlichkeit führen. Ist es bei den Varianten der Urnenbeisetzung i. d. R. noch möglich, verhältnismäßig gleiche Bedingungen zu schaffen, lässt man die klassischen Erdgräber für die Sargbestattung meist außen vor. Haben wir doch in rund 2/3 der bayerischen Friedhöfe durchschnittliche Ruhezeiten von ca. 25 Jahren, bedingt durch geologische und hydrologische Probleme, sprich untaugliche Böden oder Nässe. Um diesen Problemen auszuweichen, geht man in noch vorhandene unbelegte Reserveflächen.

Problem: Verwesungsprozesse

Doch die Probleme und Bedingungen sind in den neuen Flächen nicht anders als in den vorhandenen Friedhofsflächen. Auch der Bodenaustausch in einzelnen Gräbern oder ganzen Feldern kann das Problem der Wachsleichen oder der „schwimmenden“ Wachsleichen nicht lösen.

Systemgräber sind die Lösung

Die dargestellte Bildfolge steht beispielhaft für solche Problematik. Im gezeigten Fall hatte das Friedhofsamt festgestellt, dass die Verwesungsprozesse nicht so ablaufen, wie es in der festgesetzten Ruhezeit angedacht war und daraufhin einfach die Ruhezeiten erhöht. Doch die Ruhezeitverlängerung brachte keine Lösung, denn der Verwesungsprozess stand still. Und das blieb er auch. Den stehenden Lehmboden konnte kein Sauerstoff mehr durchdringen und Bodenuntersuchungen brachten kein anderes Ergebnis.

Daraufhin beschloss der Friedhofsträger, zukünftig bodenunabhängige Systemgräber für Erdbestattungen einzuführen, die den Friedhof wieder zu einem würdigen Bestattungsort werden ließen.

Systemgräber bewähren sich bereits seit 1990. Sie fördern die Verwesungsprozesse durch Sauerstoff-Zufuhr und Feuchtraumklima. Sie lassen eine freie Oberflächengestaltung zu und – was am wichtigsten ist – sie ermöglichen eine Reduzierung der Ruhezeit bis auf zwölf Jahre. Keine andere Sanierungsmethode konnte die bekannten Probleme bisher so erfolgreich lösen, wie die Systemgräber. Da die ersten Ruhezeiten in den Systemgräbern abgelaufen sind, zeigen eine zunehmende Anzahl an Graböffnungen bei Neu-, Weiter-, oder Zubelegung die sehr gute Funktionsweise der mit dem RAL-Gütezeichen zertifizierten Friedhofsysteme.

Autoren: Hubert Schmitt, Ingrid Hannemann, erschienen in: Bayerische Gemeindezeitung vom 03.05.2019, S. 14.

Artikel online erhältlich unter: http://www.gemeindezeitung.de/homepage/index.php/inhalt/artikel/kommunale-praxis/2358-gz-9-2019-friedhof-in-bayern-mit-traditionen-und-strukturen-entwicklungen-und-anforderungen-probleme-und-loesungen

Artikel im PDF-Format erhältlich hier.